Liese Prokop

(1941-2006)

Liese Prokop, geb. Sykora, kam am 27. März 1941 als zweites von sieben Kindern in Wien auf die Welt, als Tochter des Tullner Bezirkshauptmannes Hans Sykora und dessen Gattin Appollonia.
Während des Krieges lebte sie mit ihrer Familie in Korneuburg. 1945 zog die Familie nach Tulln. Dort besuchte Liese die Volksschule sowie das Gymnasium, wo sie 1959 maturierte. Noch bevor sie ein Studium aufnahm, verbrachte Liese Prokop als 17-jährige Gymnasiastin ein Schuljahr in den USA. Sie studierte 8 Semester an der Universität Wien (Sport und Biologie).
Ein schwerer Schlaganfall ihres Vaters und sein früher Tod waren eine große Zäsur in ihrem Leben und bedeuteten letztlich auch das Aus für ihr Studium.
Sie arbeitete als Schilehrerin in Annaberg und begleitete Schulklassen als Schilehrerin zu Schikursen. Im Rahmen der Aktion "Österreichs Jugend lernt Wien kennen" führte sie als Jugendbetreuerin Schulklassen durch die Bundeshauptstadt.
1965 heiratete sie ihren Trainer Gunnar Prokop. Liese Prokop hatte 3 Kinder (Karin, 1966, Gunnar, 1970, Eric, 1979).

Ihr Teamgeist, ihr Wille zur Verbesserung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen und ihr außerordentlicher Einsatz wurde im Sport und in der Politik, auf österreichischer und europäischer Ebene geschätzt - über Landes- und Parteigrenzen hinweg.

Meilensteine für die Gleichbehandlung - Unterstützung auch gegen den Strom
Liese Prokop setzte sich als Landesrätin für die Gleichstellung von Frauen ein. In ihrer Amtszeit wurde das NÖ Frauenreferat eingerichtet, das Gleichbehandlungsgesetz des Landes NÖ geschaffen, die Gleichbehandlungsbeauftragte sowie die Gleichbehandlungskommissionen eingesetzt. Sie sorgte für die Verankerung der Frauenperspektive in den EU-Programmplanungsdokumenten für NÖ. Sie galt als große Verfechterin von Vernetzung und gegenseitiger Unterstützung: "Für die Zukunft ist es wichtig", plädierte sie auf dem Internationalen Landfrauentag 2002, "stärker als bisher, gemeinsam vorzugehen und sich gegenseitig zu unterstützen und zwar auf europäischer, nationaler, regionaler und natürlich auf persönlicher Ebene."

Liese Prokop beschritt in NÖ Pionierpfade, an die heute niemand mehr als Neuerung denkt, sei es für Mentoring, Gewaltschutz in den Regionen, Gender Mainstreaming und Chancengleichheit. Sie stand auch bei Widerstand stets zu Frauenthemen und sorgte dafür, dass diese eingebettet wurden in die Politik des Landes - ernst genommen wurden und Mittel zur Verfügung gestellt wurden, was keineswegs selbstverständlich war zu jener Zeit und damit eine Vielzahl an neuen Projekten ermöglichte.

Quereinstieg in die Politik
Ihre ersten politischen Sporen verdiente sich Liese Prokop bei der Österreichischen Jugendbewegung (ÖJB). Sie reiste quer durch Niederösterreich und hielt Vorträge über ihre sportliche Tätigkeit. Schon 1969 zog die Weltrekordlerin erstmals als Abgeordnete in den NÖ Landtag ein, mit 28 Jahren die jüngste Abgeordnete.
1981 wurde Liese Prokop vom damaligen LH Siegfried Ludwig zur Landesrätin für Sport, moderne Kunst, Soziales sowie Jugend- und Familienangelegenheiten in die NÖ Landesregierung ernannt.
1992 wurde sie von LH Dr. Erwin Pröll als erste Frau Österreichs zur Landeshauptmann-Stellvertreterin berufen. Insgesamt über 20 Jahre lang war Liese Prokop Nummer 1 für Sozial- und Jugendpolitik in Niederösterreich.
Am 22. Dezember 2004 wurde Liese Prokop am Höhepunkt ihrer Karriere als erste Innenministerin der Republik Österreich angelobt.

Europadimension
Liese Prokop war die erste Frau als Präsidentin der Versammlung der Regionen Europas, VRE, der politischen Organisation der Regionen Eruopas mit 250 Mitgliedern aus 30 Ländern.
1996 wurde sie in Basel als erste Frau zur Präsidentin einer VRE-Kommission gewählt, 1998 zur Ersten Vizepräsidentin und 2000 zur Präsidentin der VRE ernannt, 2 Jahre später für eine weitere Periode wieder gewählt. Sie stärkte der Zusammenarbeit der interregionalen VRE-Mitglieder und ermöglichte dadurch nicht nur konkrete Fortschritte im EU-Verfassungsvertrag sondern auch eine bessere Wahrnehmung des europäischen Gremiums.

Legendäre sportliche Karriere - in Österreich und international
Mit dem Namen Liese Sykora, später "Prokop" ist die größte Karriere in der Geschichte der österreichischen Leichtathletik verbunden. Schon ihr erstes Antreten bei einem Wettkampf war äußerst erfolgreich. Liese Prokop wurde 1961 "bloßfüßig" Staatsmeisterin im Hochsprung und legte so nebenbei auch einen österreichischen Rekord (1,61 m) hin. 1964 schaffte sie mit 1,70 m das Limit für die Olympischen Spiele in Tokio. Ihr Trainer: Ehemann Gunnar Prokop.
Insgesamt war Liese Prokop 50-fache Staatsmeisterin in verschiedenen Disziplinen der Leichtathletik: Fünfkampf, Weitsprung, Hochsprung, Hürden, Staffel, Kugelstoßen. Ihr Rekord im Kugelstoßen (16,04 m) hielt z. B. ein Vierteljahrhundert.
1967 wurde sie Akademische Weltmeisterin in Tokio. Bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko City gewann sie die Silbermedaille. Bei der EM in Athen 1969 gewann sie Gold.
Höhepunkt: 1969 zwei Weltrekorde im Fünfkampf, zuerst in Leoben (5.089 Punkte) und dann in der Südstadt (5.352 Punkte). Ihre Einzelleistungen: 13,5 sec (100 m Hürden), 14,95 m (Kugel), 1,75 m (Hoch), 6,62 m (Weit), 24,6 sec (200 m).
Übrigens: Zu dieser Zeit war die Weltklassesportlerin Liese Prokop bereits Mutter einer 3-jährigen Tochter.

Liese Prokop starb am 31. Dezember 2006 in St. Pölten.